Leseprobe

Wenn Mut zum Mantra wird und Worte zu Taten führen, sind wir im Universum von Tijen Onaran angekommen. Ihr neues Buch „Be your own f*cking hero – Trau dich, weil du es kannst“ (Goldmann Verlag, erscheint am 11. Oktober 2023), ist mehr als nur eine Sammlung von Erfahrungen und Weisheiten. Es ist eine intensive Aufforderung, das Steuer des eigenen Lebens mutig in die Hand zu nehmen und ein Plädoyer für das Recht, authentisch und unangepasst zu sein.

Inmitten der Mauern einer kleinen Mietwohnung in Karlsruhe, weit entfernt von der schillernden Welt erfolgreicher Unternehmer*innentum und Investitionen, begann der Lebensweg einer Frau, die sich nicht in Schablonen pressen ließ. Auf ihrem Weg durch Höhen und Tiefen, geprägt von unverblümter Direktheit, Stärke und manchmal als „zu viel“ oder „zu laut“ kritisiert, erkannte Tijen eines: Der eigentliche Kampf liegt nicht darin, den Erwartungen anderer zu entsprechen, sondern sich selbst treu zu bleiben.

In ihrer inspirierenden Biographie nimmt uns Tijen mit auf eine Reise, die nicht nur ihre eigene, sondern die Geschichten vieler Frauen spiegelt, die im Ringen um Selbstbestimmung und Anerkennung ihre Stimme finden. Sie spricht von dem Mut, authentisch und sichtbar zu sein, von dem Mut, zur eigenen Herkunft, zur Weiblichkeit, und zur finanziellen Unabhängigkeit zu stehen und groß zu denken, auch wenn es unperfekt ist. Ihr Credo: „Den Mut aufzubringen, ich selbst zu sein, ist die größte Lebensaufgabe überhaupt.“

Die Worte „Be your own f*cking hero“ sind nicht nur Titel, sie sind Tijens Versprechen und Aufforderung an jede einzelne von uns: Finde den Mut, du selbst zu sein, stehe auf, stehe ein und lasse niemals zu, dass dir irgendetwas im Wege steht – sei es eine Erwartung, ein Vorurteil oder eine Angst.

Im Folgenden präsentieren wir euch eine exklusive Leseprobe aus Tijen Onarans Memoir, das mehr ist als ein Buch – es ist eine Bewegung, ein Weckruf und vielleicht der sanfte Schubs, den wir alle manchmal brauchen, um unseren eigenen Weg zu gehen…


KAPITEL 7

I proudly present: Das bin ich!

Vom Mut, sichtbar zu sein

Blicken wir der Realität ins Auge: Wer sich die Mühe macht, in meinem Instagram-Feed bis ganz nach unten, also ins Jahr 2015, zu scrollen, dem garantiere ich gute Laune für den Rest der Woche. Es war die Zeit, in der ich Duftkerzen und gedeckte Frühstückstische fotografierte. Bilder in schwarz-weiß hochlud oder Collagen aus verschiedenen Motiven bastelte. Auf Englisch untertitelte und Hashtags wie instagood und qualitytime verwendete. Ich kann mich wohl glücklich schätzen, dass ich mir mittels Filter keine lustigen Tierohren und Fellnasen aufgesetzt habe – das Internet vergisst bekanntlich nichts. Was es jedoch auch war: die Zeit, in der ich den Mut hatte, erstmals sichtbar zu sein – auch wenn ich anfangs nur einstellige (Mitleids-)Likes erntete, wovon einer immer von mir selbst war. I proudly present: Das bin ich! 

Wenn ich ein Ranking zwischen allen mutigen Entscheidungen, die ich jemals in meinem Leben getroffen habe, aufstellen müsste, würde die Anmeldung auf Instagram, Twitter/X und Co. sehr weit oben rangieren. Der Schritt in die Sichtbarkeit: supermutig, ganz besonders, wenn du dein erstes Social-Media-Profil erstellst und damit andere an deinem Leben teilhaben lässt. Stimmungen und Meinungen offenlegst. Pro und Contra erörterst. Deine Personal Brand baust und dich positionierst. Für Sichtbarkeit musst du jedoch nicht zwingend im World Wide Web und in den sozialen Medien unterwegs sein, es reichen allein dein Leben und dein Alltag – eben, dass du du bist. Jedoch Einfluss darauf nehmen, wie Menschen im Privaten und im Beruf über dich sprechen und denken und alles so steuern wie der PR-Manager eines US-Superstars? Netter Versuch! Stell dir vor: Du bewirbst dich für einen Job und kommst so in ein Unternehmen. Dann folgt ein Projekt, das in deiner Abteilung gesehen wird. Du präsentierst es in einer größeren Runde, ein Mentor wird aufmerksam. Die Geschäftsleitung wird nun eingebunden, die darüber rege diskutiert. Du trittst ganz automatisch in die Sichtbarkeit, wirst zum Thema und bist im Gespräch. Jeder einzelne Schritt davon erfordert Mut. Den Mythos, dass Sichtbarkeit mit den Jahren, mit den Positionen, mit der Routine leichter wird und du deinen Mut-Faktor auf ein Minimum drosseln kannst, muss ich leider entzaubern. Ich jedenfalls lege bei dieser Behauptung mein Veto ein. Ganz im Gegenteil: Es wird herausfordernder – weil die Aufgaben größer werden, sich der Zirkel, mit dem du dich umgibst, ändert und dich mehr Menschen sehen – und ergo beurteilen. Ein Social-Media-Profil ist nur ein Teil davon. Sichtbarkeit bedeutet, im Fokus zu stehen. Denn: Du bist nicht mehr eine von vielen. Du bist die Eine. Die Eine, die das Projekt verantwortet. Die Eine, die das Team anleitet. Die Eine, die einen Vertrag gut verhandelt hat. Die Eine, die in die TV-Show geht. Und die Eine, die mit Neid und Missgunst umgehen muss.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine Szene, von der ich nicht einmal live und in Farbe ein Teil war. Auf einer Konferenz stand eine Traube von drei, vier Frauen zusammen. Der Talk unter ihnen – business-like und professionell. Bis die Sprache auf mich kam und zum großen Lästern angesetzt wurde. Mein Aussehen. Mein Auftreten. Meine Botschaften.

Die ganze Palette und alle Facetten Tijens kamen aufs Tapet. Öffentlich und lautstark. Garniert mit Gemeinheiten und Gehässigkeiten. Dumm nur, wenn eine meiner Freundinnen oder eine andere Frau aus meinem Netzwerk danebenstehen und alles ungefiltert mitbekommen … Dass nicht jede*r meiner Meinung ist – okay. Dass ich Gegenwind aushalten muss – klar. Dass jedoch völlig unreflektiert darüber gelästert wird, wie und wer ich bin – das ist ganz schlechter Stil, den ich nicht hinnehmen möchte. Keine Frage: Lästern liegt in der Natur des Menschen. Dampf ablassen? Auch mal okay – wer kennt’s nicht? Aber: Der Ton macht die Musik, das Umfeld und vor allem, ob man seine Meinung in einem geschützten Raum kundtut oder wie hier auf besagter Konferenz. Die Szene zeigt: Sichtbarkeit spült Neider*innen in dein Leben.Sie sprechen über dich und machen dich zum Thema, weil du du bist. Die Diskussion der illustren Runde wurde übrigens gesprengt, weil meine Freundin den Mut hatte, den lästernden Girls Clubs anzusprechen, ihn zur Rede stellte und dem (peinlichen und kindischen) Spielchen so ein Ende setzte. Solche Verbündete, wie ich sie in meinem Umfeld habe – Gold wert. Klar, dass mir meine Freundin direkt von dem Vorfall berichtete.Ich fand ihre Reaktion jedenfalls dermaßen gut, dass ich seither noch mehr darauf achte:

  • für andere zu sprechen, sobald sie grundlos schlecht gemacht werden.
  • an ihrer Seite zu stehen. Auch imaginär, wenn sie nicht vor Ort sind.

Neid finde ich generell ätzend. Es ist menschlich zu schauen, was andere machen und es sich für sich selbst zu wünschen. Aber Neid geht einen Schritt weiter, weil es bedeutet, sich an jemandem abzuarbeiten. Oft ist es doch aber so: Zusammen erreicht man viel mehr. Wenn ich andere inspirierende Frauen sehe, will ich mich direkt mit ihnen zusammentun, ihnen sagen, was ich weiß und kann, damit wir gemeinsam etwas Großes entwickeln können – statt gegeneinander zu arbeiten. Wenn ich jemanden nicht mag, ignoriere ich ihn. In der Zeit, in der ich mich an jemandem aufhänge, kann ich selbst schon wieder drei Schritte weiter sein. I don’t have time for sneaky shit. Viele unterschätzen, wie unglaublich wichtig es ist, sich auf sich selbst zu fokussieren. Ich weiß, dass jede Minute, in der ich mich damit beschäftige, was wer wie macht und denkt oder schreibt, wirklich verschwendet ist. Und: Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, hätte ich mich an den Bewertungen, Vorurteilen und negativen Äußerungen von anderen aufgehalten. Ich brauche andere nicht schlechtzumachen, um selbst besser dazustehen. Je mehr ich das machen würde, desto härter würde der Boomerang zurückkommen. Karma regelt – und wenn es das nicht tut, tut es das »Publikum«. Menschen haben eine große Sensibilität dafür, ob jemand mit sich im Reinen ist oder nicht. Die Damen der Konferenz waren das offenbar nicht. Warum sie zum maximalen Lästeraufschlag ausgeholt haben und ich der Stein des Anstoßes war? Ich kann nur Vermutungen anstellen. Vielleicht war ich zu erfolgreich. Vielleicht stahl ich ihnen die Show. Vielleicht stieß meine Sichtbarkeit ihnen übel auf. Die Antwort blieb besagte Personen meiner Freundin schuldig … Ich könnte über solche Momente den Mantel des Schweigens ausbreiten, um alles perfekt wirken zu lassen. Viele verbinden mich mit einer Person, der alles gelingt, die einen Erfolg nach dem anderen feiert, die auf der Überholspur lebt. Gerade auf Social Media – Sichtbarkeits-Tool Nr. 1 – sieht immer alles so toll aus. Die meisten zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Ich kenne das von mir selbst. Es kostet Überwindung zu sagen: Es ist gerade richtig schlimm. Und ja, die oben geschilderte Situation war unterirdisch, und sie beschäftigte mich einige Tage. Nachdem ich sämtliche negative Emotionen durchlebt und mich gefangen hatte, wurde mir einmal mehr bewusst: Das, was mir auf der Konferenz passiert ist, kommt tagtäglich auch an anderer Stelle vor. Bei den Big Playern, im Mittelstand oder in Fünf-Personen-Abteilungen. So wie ich zweifelte und grübelte, bereitet es auch anderen (Frauen) schlaflose Nächte, wenn ihre Meinung im Meeting niedergeschmettert wird, sie von Kolleg*innen klein- und schlechtgemacht und ungerecht behandelt werden. Genau dann einen Weg zu finden, sich nicht bei jedem Kommentar – egal, ob man ihn on- oder offline gedrückt bekommt – komplett infrage zu stellen: challenging hoch zehn. Sich aus der Spirale zu befreien, in der man meint, Beweise für seine Kompetenz in Dauerschleife und mit amtlichem Qualitätssiegel liefern zu müssen, ist entscheidend. Aber frau wächst bekanntlich mit ihren Aufgaben … Und du wirst wachsen, versprochen! Um es gleich vorneweg zu nehmen: Sobald du auf einer prominenten Position bist, kannst du es nicht (mehr) verhindern, dass es sich Menschen herausnehmen, über dich zu urteilen. Wechsele den Standpunkt und betrachte die Situation von außen – wenn möglich ganz neutral. Frag dich nicht, wo das Problem liegt, was du falsch gemacht hast und was die anderen wohl meinen. Überlege dir: Ist es wirklich eine Kritik an dir, deiner Arbeit und deinem Engagement? Oder bist du einfach so gut in deinem Business, dass sich andere an dir reiben und dir deinen Erfolg neiden? Lass uns sogar noch einen Schritt weitergehen: Triggert dein Verhalten dein Gegenüber:

… weil er*sie private Probleme hat?

… weil ihm*ihr von einer meinungsstarken Person wie dir der Job weggeschnappt wurde?

… weil ihn*sie dein roter Look an eine Tänzerin erinnert, die sein*ihr das Herz gebrochen hat?

Wie manche Menschen andere beurteilen, kann so diffus sein, dass es sich nicht nachvollziehen lässt, was überhaupt der Stein des Anstoßes ist. Merke: Du kannst die Wahrnehmung anderer lediglich bis zu einem gewissen Grad prägen. Hundert Prozent steuern und kontrollieren, wie sie ihre Meinung über dich bilden? Unmöglich! Auch, weil jede*r nur einen Ausschnitt von dir sieht. Du bist du, und was andere von dir denken, ist so facettenreich wie das Leben an sich. Mir dessen bewusst zu sein, lässt mich aufatmen, wenn die volle Breitseite knüppelhart kommt – so wie in unserer vorher erwähnten »illustren« Runde. Wir haben es nicht in der Hand, was andere in uns erkennen. Das Einzige, was wir in der Hand haben, ist, wie wir damit umgehen. Fragen an dich: Machst du dich fertig, wenn Kritik auf dich einprasselt? Oder reflektierst du: Sind die Kommentare valide? Sind sie sinnvoll? Oder sind sie ohnehin völlig an den Haaren herbeigezogen? Das Wichtigste: Dein Inner Circle weiß, wie du wirklich bist, wo deine Stärken liegen und was dich ausmacht. Kurz zur Erinnerung: Dein Inner Circle müssen nicht 15 Personen sein. Es reichen zwei Menschen. Es reicht eine Person. Hauptsache, er*sie steht zu dir. Gerade in einer Zeit, in der deine Sichtbarkeit zunimmt, ist der Inner Circle ein Wundermittel. Je klarer du bist, je geerdeter und je aufgehobener du dich fühlst, desto weniger wird dir das, was um dich herum passiert, wehtun. Vergiss nie: Deine Daseinsberechtigung resultiert nicht aus dem, was andere im Außen formulieren, sondern darin, was dein innerster Antrieb ist. By the way: Ich pflege viele Freundschaften zu Frauen, die älter und erfahrener sind als ich. Wenn ich mal wieder einen meiner Heulanfälle bekomme, schauen sie auf meine Situation und sagen mir: »Weißt du eigentlich, wie oft ich das schon erlebt habe?« Und ich merke: Ah, ich bin nicht allein. Diese Gespräche sind mein Back-up und geben mir ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, bei dem mir bewusst wird: Ja, es ist heftig, aber ich bin nicht die einzige Person in diesem Shit-Game. Für mich ist klar: Die Kombination aus Resilienz, innerer Stärke und Mut pflastern den Weg, den eigenen Werten treu zu bleiben. Wie’s genau geht? Indem du Mechanismen entwickelst, dich selbst nicht zu verlieren. Dazu gehört:

  • Die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst.
  • Der Mut, Dinge zu ändern, die du ändern kannst.
  • Die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Mein Erfolg ist das Ergebnis vieler Jahre. Ich wurde nicht wie Greta Thunberg durch eine einzelne (Plakat-)Aktion bekannt, also von jetzt auf gleich. Meine Sichtbarkeit wuchs Stück für Stück. Dass immer mehr Menschen auf mich aufmerksam werden, mich erkennen und über mich sprechen, muss Little Tijen aus Karlsruhe City von Zeit zu Zeit noch realisieren. Beispielsweise dann, wenn ich auf Events gehe, mich anderen vorstelle und die Menschen sagen: »Ich weiß, wer du bist, ich kenne dich!« Völlig verrückt. Natürlich sind solche Erlebnisse bei mir extremer als bei Frauen, die in Unternehmen arbeiten. Die Gründe dafür? Ich stehe im Fokus der Öffentlichkeit, bin sichtbar und vertrete eine starke Meinung. Trotzdem ziehe ich aus meinen Erfahrungen eine Erkenntnis, die auf alle zutrifft. Auf die Führungskraft auf dem C-Level, auf die Handelsvertreterin und auf alle, die Topsharing betreiben: Sei vorsichtig, wen du in dein Umfeld lässt, mit wem du was teilst und wer die Club-Card für deinen Inner Circle bekommt. Und: Selbst wenn die Stimmen rechts und links von dir laut werden, gemeckert und gelästert wird – es ist keine Alternative, einen Schritt zurückzugehen und Träume und Visionen aufzugeben. Eins eint uns: Je sichtbarer du wirst, desto mutiger musst du sein. Also: Kommst du zu mir ins Team »Jetzt erst recht«? Die wichtigsten Tools dabei:

  • Focus on you! Bleibe bei dir, konzentriere dich auf dich und schaue nicht auf die anderen, und wie sie sich an dir abarbeiten. Getreu dem Motto: »If it doesn’t bring you energy, inspiration or orgasm, it doesn’t belong in your live.«
  • Lass dich nicht beirren. Nach meinem Studium in Politik, Geschichte und Öffentlichem Recht wusste ich nicht sofort, wo ich lande. Im Journalismus? In der Partei? Da, wo mich keine*r (nicht mal ich selbst!) vermutete? Je mehr Leute ihre Meinung dazu abgaben, desto verwirrter wurde ich. Hier war ich die Emotionale, dort die Rationale, drüben die Kreative und bei den Nächsten die Taffe. WTF? Mir wurde dabei schwindelig, bis ich beschloss, (wieder mehr) ich zu sein.
  • Weitermachen!
  • Frage dich: Was sind deine nächsten Schritte? Was kann ich gestalten? Agieren statt reagieren. All set!

Viele Frauen erzählen mir, sobald sie auf Social Media aktiver werden, würden sie in ihrem Unternehmen kritisch beäugt. Ich rede hier nicht von Influencerinnen mit 15 000 Follower*innen, sondern von: mal hier, mal da liken und sich trauen, in einem guten Moment einen Kommentar abzusetzen. Da ploppen von Männern Fragen auf wie: Arbeitest du eigentlich auch mal? Hast du nichts Besseres zu tun? Warum rückst du dich so in den Vordergrund? Auf dem Plateau der Eitelkeiten passt es nicht jedem, dass du in exponierter Position im Unternehmen oder auf Social Media bist. Und so kommen genau diese Sprüche, garniert mit Ratschlägen, was Frauen besser machen sollten, wie sie es machen könnten und was überhaupt richtig sei. Dabei möchte ich all diesen Leuten zurufen: Nicht jede Kritik ist berechtige Kritik! Nicht jeder Ratschlag ein Ratschlag (Ratschläge können auch Schläge sein!). Eine gute Idee ist, einen persönlichen Wertekompass für Social Media zu entwickeln: Zu welchen Themen äußere ich mich? Wie trete ich auf? Wo sind meine Grenzen?Probier’s mal aus, und ich verspreche dir, dass du Mechanismen entwickeln wirst, die dich wie selbstverständlich durch Social Media gleiten lassen und dir helfen, dich selbst nicht zu verlieren. Du bekommst die nötige Ruhe, deine Themen zu gestalten, ohne dich davon abhängig zu machen, was andere denken. Wer jedem*jeder gefallen möchte, wird sich am Ende selbst nicht mehr gefallen. Ohnehin musst du nicht jedem*jeder gefallen – du bist ja kein Facebook-Status. Wie man mit Konflikten, egal ob analog oder digital, umgeht? Wenn es eine Blaupause geben würde, würde ich ein Patent darauf anmelden. Bei mir ist das so: Entweder, ich muss nicht jeden Kampf kämpfen. Auf einen blöden Spruch eben nicht mit einem ebenso blöden Spruch zu reagieren, sondern dein Gegenüber auflaufen zu lassen, indem du mal nichts sagt, wirkt manchmal viel stärker, als ganz viel zu sagen. Oder ich kontere – weil mir bestimmte Situationen in regelmäßigen Abständen begegnen. Stichwort: Frauenquote, Diversity und Co. Schneller als das Einmaleins brettere ich das Best of Gegenargumente herunter. Finde heraus, was für dich in einem bestimmten Moment adäquat erscheint. Seit ich mein erstes Posting anno 2015 veröffentlicht habe, weiß ich: Es gibt immer erste Male. Den ersten Job bekommen. Das erste Mal seinen Hut in den Ring werfen. Die erste Bewerbung für einen Wettbewerb einreichen. Aber vor allem: das erste Mal Sichtbarkeit. Und mit diesem ersten Mal werden nicht mehr nur die Menschen auf dich aufmerksam, an die du deine Botschaften bewusst adressiert – der Kreis wird größer. Und mit dem Wachstum deiner Community erhöht sich dein (im wahrsten Sinne des Wortes) Selbst-Bewusstsein. Du lernst dich kennen. Spürst, was Balsam für deine Seele ist. Lernst, dich besser einzuschätzen. Und je mehr du über dich weißt, desto weniger treffen dich andere mit ihren Attacken. Du lässt dich nicht mehr verunsichern. Selbst wenn du am Anfang nur Mitleid-Likes wie ich bekommst. Deine Bilder in schwarz-weiß hochlädst oder Collagen aus verschiedenen Motiven bastelst. Auf Englisch untertitelst und Hashtags wie instagood und qualitytime verwendest.

Vergiss nie: Du bist du. Be you – be proud.